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Ratgeber

Strom im Camper berechnen: Batterie, Solar und Kabel richtig auslegen

Stand 12.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Wie gross muss die Batterie sein, wie viel Solar braucht das Dach, und wie dick wird das Kabel? Mit vier einfachen Rechnungen kommst du von deinem Tagesverbrauch zu einer Bordelektrik, die auch nach zwei trüben Tagen noch Licht macht. Alle Zahlen sind Richtwerte, die Rechenwege kannst du mit deinen eigenen Geräten wiederholen.

Dach eines ausgebauten Kastenwagens von oben mit Solarmodulen, Dachluke, Lüfter und Klimagerät

Die Bordelektrik im Camper läuft fast immer mit 12 V. Eine Aufbaubatterie speichert die Energie, Solarmodule, die Lichtmaschine und bei Bedarf ein Landstrom-Ladegerät füllen sie wieder auf. Damit die Rechnung aufgeht, gehst du in einer festen Reihenfolge vor: zuerst der Verbrauch, dann der Speicher, dann das Nachladen. Wo die Elektrik in der gesamten Planung steht, zeigt der Ratgeber Camper-Ausbau planen.

Watt, Wattstunden und Amperestunden

  • Watt (W) ist die Leistung eines Geräts im Moment, etwa 45 W für einen laufenden Kompressorkühlschrank.
  • Wattstunden (Wh) sind die Energie über die Zeit: 45 W während 8 Stunden ergeben 360 Wh.
  • Amperestunden (Ah) sind die übliche Angabe auf Batterien. Umrechnung: Wh = Ah × Spannung. Eine Batterie mit 100 Ah bei 12,8 V speichert rund 1280 Wh.

Rechne möglichst durchgehend in Wh. So kannst du Geräte mit 12 V und mit 230 V vergleichen, ohne durcheinanderzukommen.

Schritt 1: den Tagesverbrauch berechnen

Liste jedes Gerät mit Leistung und täglicher Laufzeit auf. Die Leistung steht auf dem Typenschild oder im Datenblatt. Beim Kühlschrank zählt nicht die Nennleistung mal 24 Stunden, sondern die Zeit, in der der Kompressor tatsächlich läuft. Im Sommer ist das deutlich mehr als im Frühling.

VerbraucherLeistungLaufzeit pro TagEnergie pro Tag
Kompressorkühlschrank45 W8 h, verteilt360 Wh
LED-Beleuchtung10 W4 h40 Wh
Dachlüfter15 W6 h90 Wh
Wasserpumpe48 W0,25 h12 Wh
Laptop60 W2 h120 Wh
Handys und Kleingeräte laden––30 Wh
Summe652 Wh

Im Winter kommen Verbraucher dazu: Eine Diesel-Luftheizung braucht Strom für Gebläse und Pumpe, je nach Gerät und Laufzeit grob 100 bis 300 Wh pro Tag (Richtwert). Gleichzeitig liefert das Solardach viel weniger. Rechne deshalb zwei Szenarien, eines für den Sommer und eines für den Winter.

Schritt 2: die Batterie dimensionieren

Die Batterie muss die Tage überbrücken, an denen kaum nachgeladen wird. Die Formel:

Batterie (Wh) = Tagesverbrauch × Reservefaktor × Tage ohne Nachladen ÷ nutzbarer Anteil der Kapazität

Durchgerechnet mit dem Beispiel oben:

  1. Tagesverbrauch: 652 Wh, gerundet 650 Wh.
  2. Reservefaktor 1,2 für Leitungs- und Wandlerverluste und Unvorhergesehenes: 650 × 1,2 = 780 Wh.
  3. Zwei Tage ohne nennenswertes Nachladen: 780 × 2 = 1560 Wh.
  4. LiFePO4 mit 80 % nutzbarer Kapazität: 1560 ÷ 0,8 = 1950 Wh.
  5. Umrechnen bei 12,8 V: 1950 ÷ 12,8 ≈ 152 Ah. Gewählt: 150 bis 200 Ah LiFePO4.

Eine AGM-Batterie solltest du nur etwa zur Hälfte entladen, sonst altert sie schnell. Dieselbe Rechnung ergibt dann 1560 ÷ 0,5 ÷ 12 V = 260 Ah, also deutlich mehr Nennkapazität und ein Mehrfaches an Gewicht.

EigenschaftLiFePO4AGM
Nutzbare Kapazität (Richtwert)80 bis 90 %rund 50 %
Gewicht pro 100 Ah (Richtwert)rund 10 bis 13 kgrund 25 bis 30 kg
Lebensdauermeist mehrere tausend Zyklenmeist einige hundert Zyklen
Laden bei Frostnicht unter 0 °C laden; Einbau im beheizten Innenraum oder Batterie mit Heizungmöglich, aber langsamer
Anschaffungteurergünstiger

Schritt 3: Solarleistung und Nachladen

Solarmodule werden in Watt-Peak (Wp) angegeben, der Leistung unter Normbedingungen im Labor. Auf einem Camperdach liegen die Module flach, werden heiss und sind manchmal beschattet. Rechne deshalb vorsichtig:

Solarleistung (Wp) = Tagesverbrauch mit Reserve ÷ (Volllaststunden × 0,7)

Volllaststunden sind die Stunden, in denen ein Modul umgerechnet seine volle Leistung bringt. Der Faktor 0,7 fasst die Verluste durch Wärme, flache Montage, Laderegler und Kabel zusammen. Für flach montierte Module gelten diese groben Richtwerte:

Jahreszeit und RegionVolllaststunden pro Tag (Richtwert)
Sommer, Mitteleuroparund 4
Sommer, Mittelmeerrund 5 bis 6
Frühling und Herbst, Mitteleuroparund 2 bis 3
Winter, Mitteleuropaunter 1

Im Beispiel: 780 Wh ÷ (4 × 0,7) ≈ 279 Wp, gewählt werden rund 300 Wp. Als Platzbedarf rechnest du mit grob 180 bis 200 Wp pro Quadratmeter Modulfläche (Richtwert). Plane die Fläche zusammen mit Dachluke und Lüfter, damit sich nichts gegenseitig beschattet.

Im Winter bringen dieselben 300 Wp nur rund 300 × 0,7 × 0,7 ≈ 150 Wh am Tag. Das reicht nicht. Hier hilft ein DC-DC-Ladebooster, der beim Fahren aus der Lichtmaschine lädt: Ein Gerät mit 30 A bringt pro Fahrstunde grob 350 bis 400 Wh. Auf dem Campingplatz lädt ein Landstrom-Ladegerät.

Simulation über sieben Tage mit Kurven für Batterie, Frischwasser, Grauwasser, Diesel und Toilette
Stunde für Stunde gerechnet: Batterie, Wasser, Diesel und Toilette über sieben Tage.

Eine Rechnung mit Tagesmittelwerten zeigt nicht, ob die Batterie nach drei bewölkten Tagen in den Alpen leer ist. Im Studio simulierst du Batterie und Solar Stunde für Stunde über 3, 7 oder 14 Tage, für Reiseziele vom Nordkap bis in die Sahara.

Schritt 4: Kabelquerschnitt und Absicherung

Bei 12 V fliessen hohe Ströme, und jeder Meter Kabel kostet Spannung. Als Richtwert sollte der Spannungsfall unter 3 % bleiben, bei 12 V also unter rund 0,36 V. Den Mindestquerschnitt für Kupferkabel rechnest du so:

Querschnitt (mm²) = 2 × einfache Kabellänge (m) × Strom (A) ÷ (56 × zulässiger Spannungsfall in V)

Die 2 steht für Hin- und Rückleiter, 56 für die Leitfähigkeit von Kupfer. Beispiel Kühlschrank: 45 W ÷ 12 V ≈ 4 A, Kabelweg 4 m. Also 2 × 4 × 4 ÷ (56 × 0,36) ≈ 1,6 mm², gewählt werden 2,5 mm². Verlangt der Hersteller mehr, gilt seine Angabe.

  • Jede Leitung bekommt nahe an der Batterie eine Sicherung, die zum Kabelquerschnitt passt. Die Sicherung schützt das Kabel, nicht das Gerät.
  • Bei grossen Strömen, etwa für Wechselrichter oder Ladebooster, entscheidet zusätzlich die Strombelastbarkeit des Kabels. Halte dich an die Angaben des Geräteherstellers.
  • Plus und Minus gleich dick ausführen und die Wege so kurz wie möglich halten.
Bauplan-Seite mit 12-V-Schaltplan und Kabeltabelle
Ein Schaltplan mit Kabeltabelle hält Querschnitte, Längen und Sicherungen an einem Ort fest.

Typische Fehler bei der Camper-Elektrik

  • Watt und Wattstunden verwechseln. Ein Kühlschrank mit 45 W braucht nicht 45 Wh am Tag, sondern ein Vielfaches davon.
  • Solar nur für den Hochsommer rechnen. Im Herbst und Winter fällt der Ertrag stark ab.
  • Den Wechselrichter dauernd eingeschaltet lassen. Auch ohne Last braucht er je nach Gerät einige Watt, und über 24 Stunden summiert sich das.
  • Grosse 230-V-Geräte einplanen. Föhn, Wasserkocher oder Induktionsfeld ziehen über den Wechselrichter weit über 100 A aus der 12-V-Batterie.
  • Zu dünne Kabel und keine Hauptsicherung. Das kostet Leistung und ist ein Brandrisiko.
  • LiFePO4 an einem kalten Ort einbauen. Unter 0 °C darf sie nicht geladen werden.

Wie Dämmung und Heizung den Winterverbrauch beeinflussen, steht im Ratgeber Dämmung und Heizung. Das Gewicht von Batterie und Solar gehört in deine Gewichtsbilanz.

Häufige Fragen

Wie gross muss die Batterie im Camper sein?

Tagesverbrauch in Wh mal Reservefaktor mal Tage ohne Nachladen, geteilt durch den nutzbaren Anteil der Kapazität. Im Beispiel mit Kühlschrank, Licht, Lüfter und Laptop ergeben sich rund 150 Ah LiFePO4, gewählt werden 150 bis 200 Ah.

Wie viel Solarleistung brauche ich auf dem Camper?

Teile den Tagesverbrauch mit Reserve durch die Volllaststunden mal 0,7. Für 780 Wh pro Tag im mitteleuropäischen Sommer ergibt das rund 300 Wp.

Reicht Solar im Winter?

Meist nicht. Flach montierte Module liefern im mitteleuropäischen Winter nur einen Bruchteil des Sommerertrags. Ein Ladebooster, der beim Fahren lädt, und Landstrom auf dem Campingplatz schliessen die Lücke.

LiFePO4 oder AGM?

LiFePO4 ist teurer, aber deutlich leichter, lässt sich tiefer entladen und hält mehr Zyklen. AGM ist günstiger und bei Frost unkomplizierter, bringt für dieselbe nutzbare Energie aber ein Mehrfaches an Gewicht.

Brauche ich einen Wechselrichter?

Nur, wenn du Geräte mit 230 V betreiben willst, die es nicht als 12-V-Variante gibt. Kühlschrank, Licht, Lüfter und viele Ladegeräte laufen direkt mit 12 V, das spart Wandlerverluste.

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