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Ratgeber

Grundriss im Kastenwagen: welcher Ausbau zu dir passt

Stand 12.10.2026 · 7 Min. Lesezeit

Der Grundriss entscheidet, ob dein Camper im Alltag funktioniert: wo du schläfst, kochst, sitzt und dein Gepäck verstaust. Hier findest du die gängigen Camper-Grundrisse im Vergleich, die wichtigsten Richtmasse und die Fehler, die man meist erst nach dem ersten Schnitt bemerkt.

Röntgenansicht eines ausgebauten Kastenwagens in 3D: Sitzecke im Heck, Küche, Bad und Solarmodule auf dem Dach sind durch die transparente Karosserie sichtbar

Ein guter Grundriss beginnt nicht mit Möbeln, sondern mit deinem Reisealltag. Wer zwei Wochen im Sommer ans Meer fährt, braucht etwas anderes als jemand, der den ganzen Winter im Van arbeitet. Beantworte deshalb zuerst ein paar Fragen und lege erst dann fest, wo Bett und Küche hinkommen.

Fünf Fragen vor dem ersten Strich

  1. Wie viele Personen schlafen im Van? Zwei Erwachsene brauchen ein Bett von rund 1,30 bis 1,40 m Breite. Mit Kindern kommt ein zweiter Schlafplatz dazu, etwa im Aufstelldach, im Dachzelt oder in einem Hubbett.
  2. Wie gross bist du? Die Körpergrösse entscheidet, ob ein Querbett überhaupt in Frage kommt. Als Liegelänge rechnest du Körpergrösse plus 10 bis 15 cm.
  3. Wie lange bist du am Stück unterwegs? Für Wochenenden reicht ein Bett, das du abends aus der Sitzgruppe baust. Wer Wochen oder Monate im Van lebt, will ein Bett, das gemacht bleibt, und einen Tisch, an dem man auch arbeiten kann.
  4. Was muss mit? Velos, Ski, Surfbrett, Kinderwagen oder Hund brauchen Platz, meist im Heck unter einem hoch eingebauten Bett.
  5. Brauchst du Toilette und Dusche drinnen? Ein festes Bad mit Dusche braucht als Richtwert 70 bis 90 cm Fahrzeuglänge, eine Toilette in einem Schrank oder Auszug deutlich weniger. Das Bad ist meist die grösste Einzelentscheidung im Grundriss.

Richtmasse, die jeder Grundriss erfüllen muss

Die folgenden Werte sind Richtwerte aus der Praxis, keine Norm. Miss dein Fahrzeug immer selbst aus: Innenmasse unterscheiden sich je nach Länge, Dachhöhe und Baujahr, und Radkästen, Säulen und Schiebetür nehmen mehr Platz weg, als eine Skizze vermuten lässt.

BereichRichtwertWorauf achten
LiegelängeKörpergrösse plus 10–15 cmBeim Querbett zählt die Innenbreite auf Matratzenhöhe, nach der Verkleidung
Bettbreite für zwei1,30–1,40 m1,20 m geht, wird auf längeren Reisen aber eng
Luft über der Matratzerund 85–95 cmSonst kannst du im Bett nicht aufrecht sitzen
Gangbreitemindestens rund 45 cm, angenehm ab 55 cmDen Bereich an der Schiebetür frei halten
ArbeitsplatteHöhe 85–95 cm, Tiefe 40–55 cmJeder Zentimeter Tiefe fehlt im Gang
StehhöheInnenhöhe minus 5–8 cmBodenaufbau und Deckenverkleidung kosten Höhe
Garage unter dem Bettrund 80–100 cm hoch für VelosDann bleibt über dem Bett weniger Kopffreiheit

Die gängigen Grundrisse im Vergleich

Fast jeder Camper-Ausbau ist eine Variante dieser sechs Grundideen. Viele lassen sich kombinieren, etwa ein Querbett im Heck mit einer kurzen Sitzbank hinter den Vordersitzen.

GrundrissVorteileNachteilePasst zu
Festbett quer im HeckBett bleibt gemacht, braucht wenig Länge, viel Platz für Küche und SitzgruppeLiegelänge auf die Innenbreite begrenzt, wer innen schläft, steigt über den anderenPaare bis mittlere Körpergrösse, Kastenwagen um 5,5 bis 6 m
Festbett längs oder zwei EinzelbettenVolle Liegelänge, jeder steigt separat ein, grosse Garage darunter möglichBraucht viel Fahrzeuglänge, wenig Raum für Bad und SitzgruppeGrosse Personen, lange Kastenwagen ab rund 6,5 m
Hubbett über der SitzgruppeBett und Wohnraum auf derselben Fläche, tagsüber wirkt der Raum grossBraucht Hochdach, Mechanik und Gewicht sitzen oben, Bett ist tagsüber wegKurze bis mittlere Fahrzeuge mit Wunsch nach viel Wohnraum
Umbau-DinetteGünstig, flexibel, grosser Tisch zum Essen und ArbeitenJeden Abend umbauen, Bettzeug und Polster brauchen StauraumWochenenden, Kompaktbusse, kurze Kastenwagen
HeckkücheKochen unter den offenen Hecktüren, Gerüche bleiben draussen, innen viel PlatzBei Regen, Wind und Kälte unbequem, das Bett muss nach vorne rückenSommerreisende, Offroad-Fahrzeuge, Kompaktbusse
Schlafen im Aufstelldach oder DachzeltUnten bleibt Platz zum Sitzen und Kochen, zusätzliche SchlafplätzeIm Winter kalt, bei Wind laut, Auf- und Abbau bei jedem HaltFamilien, Kompaktbusse, Geländewagen, Pickups

Beim Querbett lohnt sich genaues Nachmessen: Die Innenbreite auf Matratzenhöhe ist das harte Limit, und nach der Wandverkleidung ist sie kleiner als im Datenblatt. Fahrzeuge mit breiterem Aufbau oder seitliche Verbreiterungen schaffen hier die entscheidenden Zentimeter.

Schnittansicht eines ausgebauten Kastenwagens in 3D von schräg oben: L-förmige Sitzecke mit Tisch im Heck, Küchenblock mit Spüle und Kochfeld, Bad und Oberschränke
Schnitt durch einen Grundriss mit Sitzecke, Küche und Bad: So siehst du früh, ob Gang und Stehhöhe reichen.

Welcher Grundriss zu welcher Fahrzeuglänge passt

Kompaktbus, rund 5 m: Hier zählt jeder Zentimeter. Bewährt hat sich eine Sitzbank, die zum Bett wird, eine schmale Küchenzeile an der Seite und ein Aufstelldach als zweiter Schlafplatz. Ein festes Bad passt kaum hinein, eine tragbare Toilette in einem Schrank schon.

Mittlerer Kastenwagen, rund 5,5 bis 6 m: Der Klassiker ist das Querbett im Heck, davor die Küche an der Schiebetürseite, gegenüber ein kompaktes Bad oder ein Schrank und vorne eine Sitzgruppe mit gedrehten Vordersitzen. Wer mehr Wohnraum will, setzt stattdessen auf ein Hubbett.

Langer Kastenwagen, rund 6,5 bis 7 m, mit Hochdach: Genug Länge für Längsbetten oder ein hohes Querbett mit Garage, dazu ein Bad mit Dusche. Hier wird das Gewicht zum Thema: Lange Fahrzeuge erreichen die 3,5 t, die du mit dem Ausweis der Kategorie B in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich fahren darfst, schneller als gedacht.

Offroad-Camper, Geländewagen und Pickup mit Kabine: Weniger Wohnfläche, dafür oft Dachzelt oder Kabine. Schwere Teile gehören tief und mittig, weil der Schwerpunkt im Gelände über die Kippsicherheit mitentscheidet.

Gewicht, Leitungen und Heizung gleich mitplanen

Ein Grundriss ist immer auch eine Gewichtsverteilung. Wassertank, Batterie, Kühlschrank und Küche sind die schweren Posten; sie gehören möglichst tief und zwischen die Achsen. Ein voller 100-l-Tank wiegt rund 100 kg. Sitzt er weit hinter der Hinterachse, entlastet er die Vorderachse und verschlechtert das Fahrverhalten. Mehr dazu im Ratgeber Gewicht und Zuladung.

Plane auch die Leitungswege: Wo steht die Batterie, und wie weit ist es zu Kühlschrank, Pumpe und Heizung? Kurze 12-V-Leitungen sparen Kupfer und Spannungsverlust. Die Spüle liegt idealerweise nahe am Frischwassertank, der Abwassertank darunter. Wie du beides auslegst, steht in Strom im Camper berechnen und Wasser im Camper.

Die Heizung braucht einen Platz mit Zugang nach unten für Verbrennungsluft und Abgas, und die warme Luft soll dort ankommen, wo du sitzt und schläfst, nicht im Stauraum. Worauf es dabei ankommt, erklärt der Ratgeber Dämmung und Heizung.

Typische Fehler beim Grundriss

  • Zu viele Möbel: Jeder Schrank kostet Bewegungsfreiheit. Lieber weniger Stauraum, der dafür gut erreichbar ist.
  • Schiebetür verbaut: Der Einstieg ist der Ort, an dem du Schuhe ausziehst, Einkäufe abstellst und bei schönem Wetter von aussen kochst.
  • Querbett nicht nachgemessen: Massgebend ist die Breite auf Matratzenhöhe nach der Verkleidung, nicht die Angabe im Datenblatt.
  • Kein Sitzplatz für Regentage: Wer nur Bett und Heckküche hat, verbringt schlechtes Wetter liegend.
  • Fenster und Möbel passen nicht zusammen: Ein Fenster hinter einem Hochschrank bringt nichts. Lege Fenster und Möbel gemeinsam fest.
  • Stehhöhe vergessen: Boden, Dämmung und Deckenverkleidung nehmen zusammen mehrere Zentimeter weg.
  • Gewicht erst am Schluss geprüft: Dann ist der schwere Möbelbau schon fertig und lässt sich kaum mehr ändern.

So prüfst du einen Grundriss, bevor du sägst

Zeichne mindestens zwei Varianten und vergleiche sie direkt. Im Studio legst du den Grundriss von oben an, setzt Bett, Küche und Bad und siehst dieselbe Planung daneben in 3D, auch als Röntgenansicht durch alle Möbel. Möbel lassen sich direkt in der 3D-Ansicht verschieben, und der Bordcomputer zeigt Gewicht, Stehhöhe und Budget gleich mit.

Grundriss eines Kastenwagens von oben im Studio mit Bad mit Dusche, Küche, Sideboard, Tisch, Sofas, Heckküche und eingezeichnetem Durchgang
Grundriss von oben mit Massen jedes Möbels und dem freien Durchgang als gestrichelte Linie.

Checkliste vor dem ersten Zuschnitt:

  • Liegelänge und Bettbreite im Fahrzeug nachgemessen
  • Gang breit genug, Schiebetür frei
  • Sitzplatz für alle bei schlechtem Wetter
  • Fenster und Möbel aufeinander abgestimmt
  • Schwere Teile tief und zwischen den Achsen
  • Platz für Batterie, Heizung, Tanks und Leitungswege reserviert
  • Gewicht mit vollen Tanks, Gepäck und Personen unter der zulässigen Gesamtmasse

Häufige Fragen

Welcher Grundriss ist der beste für einen Kastenwagen?

Den einen besten Grundriss gibt es nicht. In mittleren Kastenwagen ist das Querbett im Heck mit Küche an der Schiebetür am verbreitetsten; grosse Personen fahren mit Längsbetten oder einem Hubbett besser, und für Wochenenden reicht oft eine Umbau-Dinette.

Kann ich im Kastenwagen quer schlafen?

Nur wenn die Innenbreite auf Matratzenhöhe, nach der Verkleidung, mindestens deiner Körpergrösse plus rund 10 cm entspricht. Miss das im Fahrzeug nach; Fahrzeuge mit breiterem Aufbau oder seitliche Verbreiterungen schaffen zusätzlichen Platz.

Wie viel Stehhöhe bleibt nach dem Ausbau?

Als Richtwert kosten Bodenaufbau und Deckenverkleidung zusammen 5 bis 8 cm. Für dauerhaftes Stehen brauchst du ein Hochdach; ein Aufstelldach bringt Stehhöhe nur, wenn es geöffnet ist.

Passt ein Bad in einen kurzen Van?

In Fahrzeugen um 5 bis 5,5 m kostet ein festes Bad mit Dusche viel Wohnraum. Oft ist eine Toilette in einem Schrank oder Auszug plus Aussendusche die bessere Lösung.

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